Ein hart erkämpfter Erfolg

Gepostet am Apr 16, 2019

07.04.2019 – Deutsche Post (Halb-)Marathon in Bonn

Nach meinem bisher größten Lauferfolg im vergangenen Oktober beim KölnMarathon, wo es mir erstmals gelang, die für mich „magische“ Grenze von zwei Stunden zu unterbieten, wollte ich es in diesem Jahr auch in Bonn noch einmal wissen:

Könnte ich diesen Erfolg hier, wo ich vor zwölf Jahren zum ersten Mal über die Halbmarathon-Distanz angetreten bin, wiederholen?

Trotz nicht ganz optimal verlaufener Vorbereitung war ich guten Mutes und hochmotiviert.

Bei absolutem Traumwetter ging es am Sonntagmorgen an den Start und ebenso traumhaft wie die Kulisse lief es für mich auf den ersten zehn Kilometern – dachte ich jedenfalls… Die Zwischenzeiten waren grandios, das erlaufene „Polster“ erschien mehr als komfortabel, es ging mir sehr gut.

Die Erkenntnis, dass ich mein Tempo kontrollieren müsste, kam früh, doch die Umsetzung klappte erst spät…

Auch auf den Kilometern 11 und 12 war ich noch zu zügig unterwegs und zollte auf dem folgenden Anstieg ab ca. Kilometer 13 den Tribut: Ich wurde langsamer und langsamer – die Energie schwand zusehends.

Bis zur Kilometermarke 15 war das vermeintlich luxuriöse Zeitpolster aufgebraucht und ich lief meinem vorher zurecht gelegten Zeitplan hinterher.

Was folgte war ein echter Psycho-Kampf:

Die Vision, noch einmal unter 2 Stunden ins Ziel zu kommen gegen das Wissen, dass ich dies bei meinem aktuellen Tempo nicht erreichen könnte.

Der Wunsch, noch einmal alles zu geben gegen die Stimme meiner Frau im Hinterkopf („Aber übertreib es nicht!“ hatte sie mir mit auf den Weg gegeben – sie kennt mich einfach zu gut ;-))

Die Bereitschaft, bis an meine Grenze zu gehen gegen die Erkenntnis, dass es für „Erschöpft-am-Straßenrand-liegen“ gar keine Zielzeit gibt.

Die folgenden Kilometer sollten ein Wechselspiel werden aus den vorsichtigen Versuchen, immer wieder noch einmal ein bißchen am Tempo zu ziehen, und den darauf folgenden, eindeutigen körperlichen Zeichen, dass meine Grenze der Belastbarkeit gleich erreicht sein würde. Ein Kampf zwischen ehrgeiziger Motivation und medizinischer Vernunft…

Noch war zumindest theoretisch alles möglich, hielt ich mir vor Augen und versuchte, „den Kopf auszuschalten“.

Ich vermied es schließlich, auf die Uhr zu schauen, versuchte, meinen Rhythmus beizubehalten und immer dann, wenn es möglich schien, noch einmal ein bißchen mehr Druck auf die Beine zu geben – so lange es ging.

Ich zögerte sogar, an der letzten Versorgungsstation noch einmal Wasser zu trinken – aus Sorge, es käme möglicherweise direkt „retour“… Trotzdem griff ich zu und trank einen Schluck.

Als ich bei Kilometer 20 zum letzten Mal auf die Uhr sah, hatte ich noch 6 min 30 s Zeit…

„DA GEHT NOCH WAS!“ war mein Gedanke und ich hielt zunächst das Tempo aufrecht, um dann schließlich auf den letzten 200-300 m buchstäblich noch einmal alles zu geben. Ich sah nicht mehr auf die Uhr, war nur beseelt von dem Gedanken, dass ich mir nachher nicht verzeihen würde, wenn ich nicht zumindest alles versucht hätte…

Lange Schritte – letzte Kraftreserven – Kopf aus bis zur Ziellinie…

 

1:59:25 – persönliche Bestleistung – ein wirklich hart erkämpfter Erfolg

 

Noch wichtiger als das ist aber die Erkenntnis, dass mir meine Grenzen noch selten so nah vor Augen waren.

Ab heute heißt das also: Halbmarathon nur noch für Spaß und zum Genießen – aber ohne Uhr…

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